
„Bleibt die Suche nach einem kompetenten Bikeshop ein ewiges Lotteriespiel? Das lassen die bisherigen Tests vermuten. Doch in Nürnberg landeten wir bei allen vier Shops einen Volltreffer.”
„Das gab's noch nie im Verlauf [...]” der bike „[...] Shoptest-Serie: Eine Stadt, in der alle getesteten Shops ein sehr gutes Ergebnis ablieferten. Doch in Nürnberg ist dieser Idealfall jetzt eingetreten. War's Glück? Oder hatten die Shops womöglich Verdacht geschöpft? Werden deutschlandweit Mechaniker inzwischen bei jedem Rad misstrauisch, das zur Inspektion in die Werkstatt geschoben wird?Nein, wir sind uns sicher, dass man beide Faktoren ausschließen kann. Denn hätten die Shops tatsächlich Lunte gerochen, wären wohl ausnahmslos alle Mängel an den Test-Bikes repariert worden. Wozu das Risiko eines Punktabzugs oder gar einer schlechten Bewertung eingehen? Und genau das war nicht der Fall. Stets blieben an den preparierten Bikes Kleinigkeiten unentdeckt - was zwar nicht ausreichte, das insgesamt tolle Ergebnis zu schmälern, uns aber die Gewissheit gab: Hier wurde so gearbeitet wie bei jedem anderen Kunden auch.
Endlich einmal erlebten wir durchweg Werkstattleistungen, wie man sie als Kunde von einem professionellen Bikeshop erwarten darf, ja eigentlich muss! Alle Mechaniker arbeiteten offensichtlich nach Check-Liste. Diese wurde dann bei Abholung entweder dem Kunden zusätzlich zur Rechnung ausgehändigt, wie bei Velo, Downhill und Adrenalin. Oder die durchgeführten Arbeiten tauchten als Liste direkt auf der Rechnung auf (Fahrradkiste). Doch die Kompetenz der Werkstätten wurde schon bei Anlieferung des Bikes deutlich. Zum Beispiel klärten die Mitarbeiter wichtige Fragen betreffend der Federung: Wann wurde zuletzt ein Service an Gabel und Dämpfer durchgeführt? UNd dass, falls eine Wartung nötig sei, die Parts zum Hersteller geschickt werden müssten. Bei Downhill erledigte man den Dichtungs-Service sogar gleich in der eigenen Werkstatt. Das ist nicht die Regel. Thema Abstimmung: Ein prüfender Druck auf Gabel und Hinterbau stellte meist sofort klar, dass viel zu wenig Luft in den Kammern war und die voll zugedrehte Rebound-Dämpfung ein feinfühliges Ansprechen verhinderte. Desweiteren wurde nach den Vorlieben beim Geländeeinsatz gefragt. Zum Schluss notierten alle Mitarbeiter das Gewicht des Kunden, um bei der Inspektion bereits eine Grundabstimmung vornehmen zu können.
Auch während der Arbeiten kommunizierten die Werkstätten mit dem Kunden. So riefen alle Shops an und informierten über die verschlissenen vorderen Bremsbeläge, oder klärten, ob diverse Parts, wie beispielsweise die Kette, erneuert werden dürften. Alle Bikes standen termingerecht zur Abholung bereit. Die behobenen Mängel wurden nochmals mit dem Kunden besprochen [...]. Alle Daten über das Rad wurden in der Kundendatei gespeichert. Alles paletti also? Ein paar Mängel wurden nicht entdeckt. Doch unser Resümee hierzu fällt kurz aus. Auffallend dabei ist allerdings, dass keiner der vier Mechaniker die Luft in der hinteren Hydraulik-Bremsanlage diagnostizierte und die Bremsanlage entlüftete. Dabei war unserer Meinung der schwammigere Druckpunkt im Vergleich zur Vorderbremse mit Erfahrung auf jeden Fall zu spüren. Ansonsten blieb es bei einer losen Kassette und einer übersehenen Justierschraube am Schaltwerk (Fahrradkiste).
Eines muss klar sein: Eine gute Inspektion darf und muss auch ihren Preis haben. Viele Shops bieten eine Inspektion zum Pauschalpreis an. Der liegt je nach Umfang in der Regel zwischen 30 und 60 Euro. Beispiel Fahrradkiste: Hier liegt der so genannte "Kleine Kundendienst" bei 40 Euro. Ein Aushang im Shop sollte darüber informieren, was dieser Grundpreis genau beinhaltet. Das ist im Normalfall eine allgemeine Sicht- und Funktionsprüfung, Schraubenkontrolle, Bremsen-Check, Schaltung prüfen und einstellen, Laufräder kontrollieren und das Steuerlager auf Spiel prüfen und einstellen. Achtung, das Zentrieren der Laufräder kostet je nach Schwere des Schlags manchmal extra, vor allem bei kompliziert zu beseitigenden Höhenschlägen. Werden Ersatzteile benötigt, so kommen deren Materialkosten selbstverständlich immer hinzu. Was oft vom Kunden unterschätzt wird, sind die Montagekosten für die Ersatzteile, die ebenfalls stets extra zu Buche schlagen.
Wiederum ein Beispiel Fahrradkiste: Das Austauschen der Bremsbeläge am Vorderrad kostet 12 Euro Arbeitslohn. Besonders akribisch wurde dies in der Werkstatt von Downhill erledigt, wo der Mechaniker noch den Sattel reinigte, die Kolben gängig machte und die Ölfüllstände erhöhte. Kosten für diesen Arbeitsschritt: rund 37 Euro. Richtig teuer kann eine Inspektion werden, wenn man zeitintensive Service-Leistungen zusätzlich in Auftrag gibt. Um dies zu verdeutlichen haben wir bei Downhill den empfohlenen Dichtungsservice an Gabel und Dämpfer erledigen lassen. Allein dies erhöht den Preis um weitere 120 Euro. Wer sein Bike allerdings hart ran nimmt, der sollte den Betrag einmal im Jahr investieren. Es zahlt sich mit langlebigen Federelementen und einem top funktionierenden Fahrwerk aus.
Um einen finanziellen Schock bei der Abholung des Bikes zu vermeiden, sollte man daher grundsätzlich einen Rückruf vereinbaren, falls unvorhergesehene Probleme bei der Reparatur auftauchen, oder wenn die Kosten eine vorab festgelegte Obergrenze überschreiten.
Die Qualität der Beratungen in den vier Shops stand der Qualität der Inspektionen in nichts nach. Unterschiedlich waren aber die Verkaufsstrategien, mit denen sich unsere Testkäuferin konfrontiert sah. Während der Verkäufer bei Downhill ihr ohne Umschweife zuerst spezielle Frauen-Bikes vorstellte, empfahl man in den anderen Shops eher kleine Männer-Bikes. Frauen-Bikes spielten dort erstmal die zweite Geige. Beide Versionen können funktionieren - wenn man die Kundin ausprobieren lässt, welches Bike-Geschlecht ihr besser liegt. Falls nötig, war in allen Shops ein Tausch der für die Sitzposition relevanten Komponenten (Sattel, Lenker, Vorbau) kostenneutral möglich. Bei der Fahrradkiste darf man sogar den Sattel (außer weiße Modelle) ein Wochenende lang ausprobieren, bevor man sich dafür entscheidet. Generell legten alle Verkäufer auf die richtige Sitzposition viel Wert. So stand beispielsweise bei Adrenalin neben der Probefahrt ein Rollentrainer zur Analyse im Shop zur Verfügung.
Thema Probefahrt: Bei einem professionellen Bikeshop setzen wir voraus, dass zu jeder Fahrt die Sattelhöhe und Federung auf Körpergröße beziehungsweise Gewicht des Kunden eingestellt wird. Auch in diesem Punkt ließen die Shops nichts vermissen. Bei Velo allerdings stand zum Zeitpunkt des Test (Anfang April) leider kein passendes Bike in der gewünschten Preisklasse zur Verfügung. Diese Tatsache ist früh in der Saison (leider) keine Seltenheit. Meist ist dies jedoch nicht die Schuld des Shops, sondern des Herstellers - der nicht liefern kann. Fest steht, in jedem der vier Shops wäre unsere Testkäuferin mit ihrem Traumbike nach Hause gefahren. Servicewüste Deutschland? Jedenfalls nicht in Nürnberg.”

Quelle: bike Magazin Ausgabe 06/2008 (Matthias Rotter)
www.bike-magazin.de